Reichsgoldmünzen des Deutschen Kaiserreichs (1871–1915)
Reichsgoldmünzen zählen zu den wichtigsten Zeugnissen der deutschen Geld- und Wirtschaftsgeschichte. Sie stehen für das Ziel des jungen Kaiserreichs, eine einheitliche und stabile Währung auf Goldbasis zu schaffen. Zwischen 1871 und 1915 wurden sie in verschiedenen Nennwerten geprägt und spiegeln den wirtschaftlichen Aufbruch dieser Epoche wider.
Einheitliche Währung und Goldstandard
Nach der Reichsgründung im Jahr 1871 wurde durch das Münzgesetz von 1873 die Mark als gemeinsame Währung eingeführt. Grundlage war der Goldstandard, der den Wert der Reichswährung fest an eine definierte Goldmenge band. Eine Mark entsprach 1/2790 Kilogramm Feingold. Dieses System sorgte für Preisstabilität und Vertrauen in die Reichswährung und trug wesentlich zur wirtschaftlichen Konsolidierung des Kaiserreichs bei.
Technische Merkmale und Nennwerte
Die Reichsgoldmünzen bestehen aus 900er Gold (90 % Gold, 10 % Kupfer) und wurden in drei Nennwerten geprägt:
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5 Mark – 1,991 g (Feingold 1,792 g)
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10 Mark – 3,982 g (Feingold 3,584 g)
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20 Mark – 7,965 g (Feingold 7,168 g)
Die 20-Mark-Stücke waren die gebräuchlichsten Goldmünzen im Umlauf. Die 5-Mark-Stücke blieben selten, da ihr Nennwert in keinem wirtschaftlichen Verhältnis zu den Prägekosten stand.
Gestaltung und föderale Vielfalt
Auf der Vorderseite (Avers) zeigen die Münzen den jeweiligen Landesherrn – Kaiser, König, Großherzog, Herzog oder Fürsten.
Die Rückseite (Revers) trägt den Reichsadler mit der Umschrift „Deutsches Reich“, dem Prägejahr und dem Nennwert.
Prägeberechtigt waren zahlreiche Bundesstaaten:
Königreiche: Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg
Großherzogtümer: Baden, Hessen-Darmstadt, Mecklenburg-Schwerin, Oldenburg
Herzogtümer: Anhalt, Braunschweig, Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Coburg und Gotha
Freie Stadt: Hamburg (mit Stadtwappen statt Herrscherporträt)
Diese föderale Vielfalt blieb trotz einheitlicher Währung erhalten und macht die Reichsgoldmünzen heute zu einem aufschlussreichen Spiegel der politischen Struktur des Kaiserreichs.
Wirtschaftliche Bedeutung bis 1914
Reichsgoldmünzen waren gesetzliches Zahlungsmittel und stützten das Vertrauen in die Reichswährung. Der Goldstandard sorgte für stabile Wechselkurse und einheitliche Werte im Handel.
Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde 1914 die Goldeinlösung aufgehoben, um die Reichsbankreserven zu sichern. Goldmünzen verschwanden aus dem Umlauf und wurden eingezogen oder gehortet.
Sammlerwert und Nachprägungen
Heute gelten Reichsgoldmünzen als Anlagegold und sind in Deutschland mehrwertsteuerfrei.
Ihr Sammlerwert hängt von Erhaltung, Prägejahr, Münzstätte und Herkunftsstaat ab.
Da im 20. Jahrhundert verschiedene Nachprägungen und Nachschläge entstanden – insbesondere in den 1950er- und 1960er-Jahren – ist bei wertvollen Münzen eine Echtheitsprüfung durch einen Fachhändler oder Gutachter ratsam.
Fazit
Reichsgoldmünzen sind ein sachliches, historisch greifbares Zeugnis des Kaiserreichs. Sie zeigen, wie wirtschaftliche Einheit und föderale Vielfalt in einer stabilen Währungsordnung zusammenwirkten. Heute werden sie als historische Originale ebenso geschätzt wie als beständige Form der Wertanlage.
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