Entourage-Ringe der 60er und 70er Jahre – Saphire, Brillanten und was sonst noch im Kasten lag

Wer heute einen älteren Schmuckkasten öffnet, findet dort meistens nicht viel Aufregendes. Irgendwo eine Perlenkette, ein paar Ohrstecker, vielleicht ein Goldarmband. Und dann liegt da plötzlich einer dieser Ringe. Schwer, massiv, mit einem Stein in der Mitte, der von kleineren Steinen umgeben wird wie von einer kleinen Garde. Entourage-Ring. Französisch für Umgebung — und der Name trifft es eigentlich ganz gut.Diese Ringe waren kein Zufallsprodukt der 60er und 70er. Sie sind das Ergebnis einer Zeit, in der man beim Schmuck etwas sehen wollte. Kein dezentes Glitzern, kein bescheidenes Understatement. Der Ring sollte Eindruck machen — und er macht ihn heute noch.

Von Art Nouveau bis heute — Ringe im Wandel der Zeit

Ringe haben sich in den letzten 130 Jahren mehrfach grundlegend verändert. Ein kurzer Überblick:

Jugendstil / Art Nouveau (ca. 1890–1910): Organische Formen, Emaille, Opale, Mondsteine. Asymmetrie, Natur als Vorbild — Libellen, Blüten, Frauenköpfe. Gelbgold dominiert.

Belle Époque / Edwardianisch (ca. 1900–1915): Platin setzt sich durch. Filigranarbeit, zarte Fassungen, Diamanten und Perlen. Weißes auf Weißem — kühl, technisch anspruchsvoll.

Art Déco (ca. 1920–1935): Geometrie und harte Kontraste. Onyx mit Diamanten, Saphir mit Smaragd. Klare Linien, keine Ornamente, Platin und Weißgold.

Retro / Nachkriegszeit (ca. 1935–1950): Platin rationiert, Gelbgold dominiert wieder. Voluminöse, geschwungene Formen, breite Schienen, große Farbsteine in massiven Fassungen.

1950er Jahre: Eleganz kehrt zurück. Weißgold, erste Cluster-Ringe, ruhigere Formen. Der Entourage-Ring der 60er zeichnet sich ab.

Die 60er und 70er sind also keine Erfindung aus dem Nichts — sie sind die konsequente Weiterentwicklung dessen, was die 50er bereits angedeutet hatten.

Der Klassiker: Saphir-Brillant-Ring und das bekannteste Beispiel der Welt

Wenn man einen Entourage-Ring aus dieser Zeit vorzeigt, ist es meistens dieser: ein blauer Saphir in der Mitte, rundherum Brillanten, alles in Weißgold oder Platin gefasst. Die Saphire kamen häufig aus Ceylon — heute Sri Lanka — oder aus Burma. Cornflower-Blau war das bevorzugte Farbziel, ein helles, klares Blau ohne zu viel Dunkel.
Das bekannteste Stück dieses Typus ist kein Museumsstück, sondern ein Ring, den heute noch jeder kennt: der Verlobungsring von Prinzessin Diana. Ovaler Ceylon-Saphir, rund 12 Karat, umgeben von 14 Brillanten in 18-karätigem Weißgold — gefertigt von Garrard, damals Kronjuwelier der britischen Krone. Diana wählte ihn 1981 aus einem Katalog, was für Königsfamilien ungewöhnlich war. Der Ring war kein Einzelstück, sondern käuflich — für jeden bestellbar. Das hat ihn, etwas paradox, erst recht zur Ikone gemacht. Seit der Verlobung von Prinz William mit Kate Middleton 2010 ist er wieder an einer königlichen Hand — und damit der meistfotografierte Saphir-Entourage-Ring der Welt.
Was viele nicht wissen: Garrard hat diesen Typ nicht erfunden. Er hat ihn vollendet. Die Kombination Saphir mit Brillant-Entourage war in den 60er und 70er Jahren längst etabliert — in den Schmuckkästen bürgerlicher Familien genauso wie in den Vitrinen der großen Häuser.
Wer heute einen solchen Ring aus einem Nachlass hat, sitzt möglicherweise auf etwas Besonderem — vorausgesetzt, der Saphir ist echt, unbehandelt und von guter Herkunft. Burmesische Steine mit Zertifikat sind eine eigene Kategorie. Erhitzte oder gefüllte Saphire — auch das gibt es aus dieser Zeit — deutlich weniger wert.


Rubin und Brillanten — wenn es eine Nummer wärmer sein sollte

Die zweite große Kombination war Rubin mit Brillant-Entourage. Roter Zentralstein, weißer Kranz. In der Theorie. In der Praxis findet man bei Rubinen dieser Zeit häufig synthetisches Material — Verneuil- oder Chatham-Steine, die optisch kaum von echten Exemplaren zu unterscheiden sind, im Wert aber erheblich darunter liegen. Wer heute einen solchen Ring aus einem Nachlass verkaufen oder bewerten lassen möchte, sollte das wissen. Ein echter Burma-Rubin mit Zertifikat ist eine ganz andere Kategorie als ein Laborstein aus der gleichen Fassung.

Smaragd-Brillant-Ring — schön, aber kompliziert

Smaragde wurden in dieser Zeit oft im Smaragdschliff gearbeitet, einem rechteckigen Treppenschliff, der den Stein in seiner Ruhe zeigt. Kolumbianische Herkunft war bevorzugt. Was viele nicht wissen: Smaragde dieser Periode sind fast immer inklusionsreich. In der Fachsprache nennt man das „Jardin“ — schlicht Einschlüsse. Das ist bei Smaragden kein Makel im eigentlichen Sinne, es ist ihre Natur. Trotzdem mindert es den Wert, und das deutlich. Wer einen Smaragd-Entourage-Ring aus dieser Zeit bewerten lassen möchte, sollte keine zu hohen Erwartungen mitbringen — außer der Stein ist außergewöhnlich klar.

Aquamarin — leichter als Saphir, unterschätzt

Aquamarine wurden in den 60ern gern genommen, wenn es hell und elegant sein sollte. Hellblau bis blaugrün, häufig in größeren Steinen verfügbar, kombiniert mit Brillant-Entourage in Weißgold. Der Aquamarin wirkt weicher als der Saphir, weniger streng — und er war günstiger. Das hat ihm im Markt nie wirklich geschadet. Gut erhaltene Aquamarin-Entourage-Ringe dieser Zeit sind heute wieder gefragt, besonders wenn Schliff und Fassung noch original sind.

Alexandrit — der seltene Ausreißer

Wer Glück hat, findet gelegentlich einen Alexandrit. Farbwechsel von Grün im Tageslicht zu Rot-Violett im Kunstlicht — das ist das Erkennungsmerkmal. Echter Alexandrit aus dieser Zeit ist sehr selten und entsprechend wertvoll. Vorsicht: synthetische Alexandrite gibt es schon lange, und sie imitieren den Farbwechsel überzeugend. Wer einen solchen Ring im Nachlass hat, sollte ihn prüfen lassen, bevor er Schlüsse zieht.

Die 70er: Gelbgold kommt zurück — und mit ihm andere Steine

Ab den frühen 70ern verschob sich etwas. Weißgold und Platin verloren Boden, Gelbgold wurde wieder Mode. Und mit dem warmen Gold kamen andere Steine:

Türkis tauchte großflächig auf — oft als Cabochon in breiten Gelbgoldfassungen, kombiniert mit kleinen Brillanten oder feiner Goldgranulation. Sehr zeittypisch, heute ein klarer Stilmarker.

Koralle — rote oder rosa, als Cabochon — war in diesen Jahren präsent. Wichtig für Verkäufer heute: bestimmte Korallenarten unterliegen inzwischen dem Artenschutzrecht. Das ist beim Handel zu beachten.

Lapislazuli erschien oft als tief blauer Cabochon in Gelbgold, kombiniert mit Brillanten oder kleinen Diamantrosen. Schlicht, aber wirkungsvoll.

Onyx, Chrysopras und gelegentlich Malachit rundeten das Spektrum ab. Chrysopras — apfelgrüner Chalcedon — ist heute fast vergessen. In den 70ern war er durchaus en vogue.

Entourage-Ring aus dem Nachlass — was beim Ankauf zählt

Ein Entourage-Ring aus den 60er oder 70er Jahren ist mehr als die Summe seiner Steine. Material, Schliff, Herkunft der Steine, Zustand der Fassung, Gesamtgewicht — all das fließt in die Bewertung ein. Synthetische Steine, nachträgliche Reparaturen, geschwächte Krappenhalter oder fehlende Zertifikate verändern das Bild erheblich.
Fotos helfen zur ersten Einschätzung. Ersetzen aber keine Begutachtung in der Hand — besonders bei Farbsteinen, wo Behandlung und Herkunft den Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Preis machen.

Wenn Sie einen Entourage-Ring, einen Saphir-Brillant-Ring oder anderen Schmuck aus einem Nachlass verkaufen möchten, können Sie sich gerne an uns wenden.
Wir garantieren eine seriöse Abwicklung und faire Preise. Kontakt: info@goldankauf-kiel.de,

📧 E-Mail: info@gold-ankauf-kiel.de | 📞 Tel: +49 (0)431 7858569 | 📱 Mobil: +49 (0)172 2025935


Autor & Expertise: Dipl.-Ing. Thomas Huss & Niels Kröning

Dieser Fachbeitrag entstand im Rahmen des Projekts „Mobiler Goldankauf Kiel“. Er basiert auf langjähriger Erfahrung im Edelmetallhandel sowie der technologischen und historischen Begutachtung von Wertgegenständen.

  • Arbeitsschwerpunkt: Fachgerechte Bestimmung von Goldschmuck, Silber, Uhren und Münzen. Als Maschinenbauingenieur verbinde ich technisches Fachwissen über Werkstoffe und Mechanik mit der Bewertung wertvoller Sammlerstücke.

  • Spezialisierung: Qualifizierte Wertermittlung von Armband- und Taschenuhren, historischen Münzen sowie Edelsteinen und hochwertigem Perlenschmuck.

  • Ziel: Den ideellen und materiellen Wert Ihrer Objekte fachkundig zu erschließen. Bei uns steht das Einzelstück als Zeugnis seiner Zeit im Vordergrund, weit über den reinen Schmelzwert hinaus.


Goldankauf, Silberankauf & Schmuckankauf – Stückbezogene Bewertung

Wir bieten den Ankauf von Goldschmuck, Silberschmuck, Erbschmuck und Vintage-Uhren mit Fokus auf das einzelne Stück. Die Bewertung erfolgt transparent und nachvollziehbar nach Zustand, Erhalt und Machart – nicht ausschließlich nach Gewicht oder Schmelzwert.

  • Leistungsspektrum: Ankauf von Goldringen, Goldketten, Armbändern, Broschen, Nachlassgold sowie mechanischen Uhren aus Gold, Silber oder anderen Materialien. Auch Echtsilber und versilberte Ware werden berücksichtigt. Ebenso Ankauf von Zahngold, Münzen, Medaillen und Bernstein.

  • Region Nord (Hausbesuche): Eine persönliche Begutachtung ist nach Absprache möglich in Kiel, Hamburg, Lübeck, Flensburg, Neumünster, Rendsburg, Eckernförde, Plön, Itzehoe, Bad Segeberg, Travetal, Norderstedt, Elmshorn, Pinneberg, Husum, Heide, Quickborn sowie im gesamten Raum Preetz und Eutin.

  • Transparenz: Faire Preisgestaltung auf Basis aktueller Edelmetallkurse und marktgerechter Sammlerwerte.


Kontakte & Fachportale

📧 E-Mail: info@gold-ankauf-kiel.de | 📞 Tel: +49 (0)431 7858569 | 📱 Mobil: +49 (0)172 2025935